In der Ferne ist die Frankfurter Buchmesse schon als großer Schatten zu sehen und wieder startet die Diskussion um das Thema Akkreditierung. Eigentlich begann die schon mit dem Zeitpunkt, an dem die Frankfurter Buchmesse erklärte, Akkreditierung nur noch ab 2000 Follower. Der Aufschrei kam sofort. 2000 Follower? Ist das zu viel? Ist das überhaupt realistisch? Wie kann ich die noch erreichen? Was, wenn ich nicht akkreditiert werde?
Mich hat dieses NICHT akkreditieren auch schon getroffen. 2 Mal in Leipzig. Beim ersten Mal war ich traurig, bockig, wütend und enttäuscht. So richtig konnte ich nicht greifen, warum es mich so getroffen hat. Ich fuhr also zur Buchmesse, ohne Akkreditierung, mit einem gekauften Ticket. Und das Ergebnis? Hier könnt ihr meinen Beitrag dazu nachlesen. Das war 2024 und auch 2025 traf es mich wieder. Diese beiden Messen ohne Akkreditierung ließen in meinem Kopf eine Frage aufploppen:
Warum ist eine Akkreditierung für viele Blogger so wichtig?
Warum ist sie für mich so wichtig? Diese Frage werde ich euch und mir am Ende dieses Beitrages beantworten.
Ich habe mich beide Male auch ohne Akkreditierung eingerichtet. 2024 als normaler Besucher und 2025 als Standcrew vom Pinguletta Verlag. Und beide Male haben mir geholfen, mir die obige Frage zu beantworten. Eins kann ich sagen, die Buchmesse ohne Akkreditierung war für mich sehr entspannt. Kein Druck. Keine Termine. Kein Hetzen. Kein Stress. Aber das lag nicht an Akkreditierung ja oder nein, sondern an mir. Das wurde mir allerdings erst später klar.
Ich war das Problem. Ich war für den Stress verantwortlich, für das Herumgehetze, den Druck und die Hast von Termin zu Termin.
Die Leser, die meine Beiträge hier regelmäßig lesen, wissen, dass sich meine Art zu Bloggen sehr verändert hat. Irgendwann stand ich nämlich vor der Entscheidung: bloggen ja oder nein. Nach einer kleinen Pause habe ich für mich entschieden nicht mehr für den Algorithmus, sondern für mich zu bloggen. Das brachte Entspannung, in so vielen Bereichen.
Ich hatte plötzlich wieder Freude an meinem Blog. Die Themen wurden anders und ich beschränkte mich nicht mehr nur auf Rezensionen, sondern auf alles, was mich interessierte. Und ich glaube, das war auch der Moment, in dem ich begann, einiges in der Bloggerbubbel zu hinterfragen.
Und damit bin ich wieder bei der aktuellen Diskussion um die 2000 Follower. Denn während ich mich durch Beiträge und Kommentare zu diesem Thema lese, fällt mir etwas auf: Alle diskutieren darüber, ob 2000 Follower zu viel sind. Ob kleinere Accounts dadurch benachteiligt werden. Wie man noch schnell die fehlenden Follower bekommen könnte. Ob Followerzahlen überhaupt etwas über die Qualität eines Blogs aussagen. Aber eine Frage lese ich erstaunlich selten:
Warum wollen wir eigentlich alle so unbedingt akkreditiert werden?
Warum trifft uns eine Absage so sehr? Schließlich bedeutet sie nicht, dass wir nicht zur Buchmesse dürfen. Wir können uns ein Ticket kaufen und trotzdem hinfahren. Wir können Bücher entdecken, Verlage besuchen, Autoren treffen und anschließend darüber berichten.
Warum fühlt sich dieses kleine Wort „abgelehnt“ dann trotzdem so verdammt groß an? Und das bringt uns zur wichtigsten aller Fragen:
Warum ist mir eine Akkreditierung so wichtig?
Was bedeutet es eigentlich, eine Akkreditierung zu bekommen? Ich beziehe mich hier nur auf Leipzig, da ich nie nach Frankfurt fahre. Mit einer Akkreditierung habe ich die Möglichkeit den Presseeingang zu nutzen. Ich muss mich also nicht in die lange Schlange einreihen, kann meine Sachen in der Garderobe abgeben (kostenlos), im Presse Café einen Kaffee trinken (kostenlos), etwas essen (gegen Bezahlung), mich mit anderen Bloggern und Autoren austauschen, in ruhiger Atmosphäre ein Gespräch oder ein Interview führen und ja, ich brauche mein Ticket nicht zu bezahlen.
Und ohne Akkreditierung? Ich muss mich wie jeder andere Besucher in die Schlange stellen. Jeder kennt die lange Schlange und weiß, dass ich nicht pünktlich zur Öffnung in den Hallen bin. Also Termine gleich zum Beginn sind unmöglich. Die Garderobe muss ich bezahlen, den Kaffee (wenn ich einen möchte) auch. Gespräche und Interviews auf der Messe? Wer das schon mal versucht hat, schüttelt jetzt bestimmt ganz hektisch den Kopf. Und ich muss mir ein Ticket kaufen.
Wo liegt also das Problem? Für mich nicht beim Ticketkauf. Ich kaufe mir gerne mein Ticket. Aber die anderen Vergünstigungen erleichtern mir meinen Messebesuch sehr und die möchte ich nicht missen. Aber ist das wirklich alles? War ich nach meiner ersten Absage in Leipzig tatsächlich so enttäuscht, weil ich meinen Kaffee plötzlich selbst bezahlen musste?
Natürlich nicht.
Da war noch etwas anderes. Eine Akkreditierung ist eben nicht nur ein kostenloses Ticket und ein Presseeingang. Sie fühlt sich auch ein bisschen wie eine Anerkennung an. Jemand hat sich meinen Blog angesehen und entschieden: Ja, deine Arbeit zählt. Du gehörst dazu. Und genau deshalb kann eine Absage wehtun. Plötzlich fühlt sich ein schlichtes „nicht akkreditiert“ nämlich schnell wie „nicht wichtig genug“ an. Obwohl das eigentlich zwei völlig verschiedene Dinge sind.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum die 2000-Follower-Grenze gerade so viele Emotionen auslöst. Es geht eben nicht nur um den Eintritt zur Frankfurter Buchmesse. Eine Zahl entscheidet plötzlich scheinbar darüber, wer als Blogger relevant genug ist und wer nicht. Aber seit wann entscheiden Followerzahlen darüber, wie gut jemand über Bücher schreibt?
Und da beißt sich für mich die Katze ein bisschen in den Schwanz. Ich habe irgendwann beschlossen, nicht mehr für Algorithmen und Zahlen zu bloggen. Und jetzt soll ausgerechnet eine Zahl darüber entscheiden, ob meine Arbeit als Bloggerin für eine Akkreditierung reicht?
Wie wäre es also mit einer „Akkreditierung light“? Ich zahle mein Ticket, darf aber den Presseeingang nutzen und bekomme Zugang zu den Bereichen, die mir meine Arbeit als Blogger erleichtern. Kein kostenloser Messebesuch, aber vernünftige Arbeitsbedingungen.
Deal?
Vielleicht sollten wir bei der nächsten Diskussion um 2000 Follower, Reichweite und Akkreditierung also nicht nur fragen: „Warum bekomme ich keine Akkreditierung?“ Sondern vorher einmal ganz ehrlich: „Warum möchte ich eigentlich eine?“
