Alle reden von der Frankfurter Buchmesse und das Netz ist voll mit Bildern und Büchern. Aber habt ihr mitbekommen, dass vom 4. bis 10. Oktober die Banned Books Week war? Betrifft uns nicht? Stimmt, aber irgendwie auch nicht.
In diesem Jahr war das Motto „Let Books Be. Protect the Freedom to Read“. Ich verfolge das Thema schon länger im Hintergrund. In diesem Jahr habe ich mir aktiv Beiträge dazu angesehen und mich immer mehr aufgeregt. Ich kann euch nicht sagen, warum. Es gab keinen konkreten Anlass.
Ihr fragt euch sicher, warum regt mich das so auf. Das kann ich euch nicht beantworten, aber mit jedem Beitrag, mit jedem Buch wurde ich genervter. Vor allem als ich die Gründe dafür las. Profanity! Wirklich? Da könnten wir in Deutschland ganze Regale in Buchhandlungen verbieten. Aber das ist ein anderes Thema.
Warum nervt es mich also so?
Hier in Deutschland gibt es diese Art von Zensur nicht. In der aktuellen politischen Situation sollten wir alle beten, dass das auch so bleibt. Ich habe die Möglichkeit, jedes Buch zu lesen, das ich lesen möchte. So wie ihr alle auch. Bei uns scheint das größte Problem zu sein, die Kinder wieder zum Lesen zu bringen. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund meiner Aggression. Ja, ich würde es wirklich so nennen. Die Kinder brauchen Bücher um sich zu entfalten. Und dann gibt es da ein Land, in dem genau das verboten wird. Für mich ist das unbegreiflich. Auf der einen Seite verbieten sie Bücher, weil sie, nennen wir es einfach beim Namen, dumm sind und auf der anderen Seite erlauben sie Waffen, verbieten aber etwas sehr gefährliches – das Überraschungs-Ei. Ich begreife es einfach nicht.
Bevor ich euch erkläre, was es mit der Banned Books Week auf sich hat, hier ein paar Zahlen.
| Dokumentierte Verbotsfälle 11.982 Schuljahr 2025/26 | Unterschiedliche Buchtitel 7.370 Davon über 4.500 erstmals erfasst |
| Betroffene Schulbezirke 114 Öffentliche Schulen | Betroffene Buchschaffende 4.000+ Autoren, Illustratoren und Übersetzer |
Laut PEN America sind mehr als die Hälfte der betroffenen Bücher Jugendbücher und mehr als 80 Prozent fiktionale Literatur. Texas ist mit 8100 Verbotsfällen übrigens der Bundesstaat mit der höchsten Anzahl, gefolgt von Florida mit 3200. Die American Library Association berichtet, dass 2025 92 Prozent der dokumentierten Anfechtungen von Interessengruppen, Regierungsvertretern oder anderen Entscheidungsträgern ausgingen. Weniger als drei Prozent gingen auf einzelne Eltern zurück. Es sind also deutlich seltener einzelne Eltern, die solche Anfechtungen anstoßen.
Was ist die Banned Books Week eigentlich?
Die Aktionswoche wurde 1982 in den USA von der Bibliothekarin Judith F. Krug ins Leben gerufen. Sie setzt sich für den freien Zugang zu Literatur und Wissen ein und kritisiert das Entfernen von Büchern aus Bibliotheken, Schulen oder Buchhandlungen. Sie reagierte damit auf den Anstieg von Versuchen, Bücher wegen kontroverser Themen zu verbannen.
Es bedeutet allerdings nicht, dass ein verbanntes Buch nicht mehr gekauft werden kann. Meistens betrifft das Verbot Schulbibliotheken oder den Unterricht. Die Bücher werden aus den Regalen entfernt oder sind nur noch eingeschränkt zugänglich. Und weil jeder Bundesstaat und teilweise sogar jeder Schulbezirk eigene Regeln hat, kocht dort jeder sein eigenes Süppchen. Die gängigsten Gründe für ein Verbot sind:
- LGBTQ+-Themen
- Sexuelle Inhalte und Sprache
- Rassismus und Diskriminierungsdarstellungen
- Politische oder ideologische Ansichten sowie religiöse Bedenken
Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen, wer was tut, bis ein Buch verboten wird. Ich wollte euch das Problem nur ins Gedächtnis rufen und euch an meiner Wut teilhaben lassen.
Ich möchte noch betonen, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Buchverbot und der Diskussion, ob ein bestimmtes Buch oder ein bestimmtes Genre für jede Altersgruppe geeignet ist.
Hier eine kleine Auswahl von Büchern, die in den USA im Laufe der Jahre verboten, aus Schulbibliotheken entfernt oder beanstandet wurden. Ich denke, ihr kennt viele davon.
- Harry Potter
- Das Tagebuch der Anne Frank
- Die Tribute von Panem
- Der Zauberer von Oz
- Die Farm der Tiere und 1984
- Fahrenheit 451
- Der Fänger im Roggen
- Im Westen nichts Neues
- Die Verwandlung
- Die Farbe Lila
- Heartstopper
- Der Herr der Ringe
- Die Abenteuer des Huckleberry Finn
- Der Report der Magd
- Wer die Nachtigall stört
- Zwei Papas für Tango
- James und der Riesenpfirsich
- Percy Jackson
- Das Reich der sieben Höfe
- Jane Eyre
Ich frage mich, wer eigentlich entscheidet, welche Geschichten Kinder lesen dürfen. Und vor allem: Was passiert, wenn wir ihnen die Möglichkeit nehmen, sich selbst ein Bild von der Welt zu machen?
