Wer glaubt, in einer Buchhandlung stehen Bücher einfach nur ordentlich im Regal, hat noch nie einen Abteilungsumbau miterlebt. Ich schon. Denn ich hatte da eine Idee. Und wie das mit Ideen manchmal so ist: Im Kopf klingt alles total logisch, in der Realität steht man plötzlich mitten im Chaos und fragt sich, warum man nicht einfach alles so gelassen hat.
Genau so ging es mir mit unserer Kinderbuchabteilung.
Mittlerweile ist der Umbau geschafft und mein Körper schreit mich immer noch an: „Mach das nie wieder!“ Am Sonntag hatte ich alles geplant, eine Skizze erstellt, mich im Internet informiert, wie so eine Abteilung sein sollte und den Text für den Blog schon einmal vorformuliert. Am Montag habe ich umgeräumt. Heute ist Mittwoch und ich frage mich, was anstrengender ist. Der Umbau oder das Erstellen des Blogbeitrages.
Aber gehen wir mal der Reihenfolge nach. Struktur ist alles.
Das Problem
Seit 2019 arbeite ich in der Buchhandlung als Kinderbuchfee und habe meine Abteilung so nach und nach umgebaut und an die Gegebenheiten und die Wünsche der Kunden angepasst. In den letzten Wochen habe ich aber immer mehr gemerkt, dass bestimmte Bücher untergehen. Andere waren schwer zu finden, obwohl sie eigentlich genau das sind, was viele suchen. Hier und da habe ich etwas geändert, umgeräumt, neu beschriftet, hinzugefügt oder weggelassen. Der Buchmarkt ändert sich. Manche Formate sind nicht mehr so gewünscht, andere werden mehr gekauft. Auch darauf musste ich reagieren. Neue Ware kommt dazu. Es wird also hier und da etwas dazugestellt und plötzlich sieht es nicht mehr schön aus. Es funktionierte nicht mehr. Punkt.
Und dann sind da noch die kleinen Leser. Die schauen nicht nach Kategorien, sondern nach Farben, Covern oder einfach danach, was sie anspricht. Gleichzeitig sind es aber die Eltern und Großeltern, die die Bücher kaufen. Diese beiden Gruppen musste ich zusammenfügen. Das ist manchmal gar nicht so einfach.
Kurz gesagt: Die Abteilung war nicht falsch, aber sie war auch nicht mehr richtig. Also musste ich handeln.
Die Idee dahinter
Ich bin ein Pen und Paper Girl. Also wurde der Stift gezückt und ich habe die Probleme aufgelistet und nach Lösungen gesucht. Wie suchen Kinder eigentlich Bücher? Wie orientieren sich Eltern? Was fällt sofort ins Auge? Was wird gar nicht mehr gelesen? Was passt zusammen? Was sollte voneinander getrennt werden? Ist genügend Platz für Kinderwagen? Können sich die Kinder frei bewegen, ohne irgendwo anzustoßen? Sind alle Bücher für die Kinder erreichbar? Finden die Erwachsenen alles? Lassen sich die Kategorien intuitiv zuordnen?
Fragen über Fragen, aber mir war schnell klar: Ich brauche mehr Übersicht. Mehr Klarheit. Und vor allem mehr Raum zum Stöbern. Denn genau das ist es, was eine gute Kinderbuchabteilung ausmacht.
Ich habe also einen Plan erstellt, wo was hinkommt. Ich habe meinen kleinen Co-Blogger ChatGPT bemüht und die Anordnung der einzelnen Aufsteller und Dinge wie Blickrichtung, Sichtbarkeit usw. diskutiert. In meinem Kopf und auf dem Papier war alles perfekt.
Der Umbau oder ohne Chaos geht es nicht
Dann kam der Moment, in dem ich einfach angefangen habe. Ohne Plan B. Wie immer eine großartige Idee.
Alle Aufsteller raus und an die Seite geschoben, Ware stapeln, alles neu denken. Der Staubsauger hatte an dem Tag gut zu tun. Denn wer saugt sonst schon unter Regalen und Aufstellern? Zwischendurch sah es eher nach Chaos als nach Plan aus, aber das gehört dazu.
Und ja, ich hatte diesen einen Moment, in dem ich zwischen Bücherstapeln stand und dachte: Das war vielleicht doch nicht meine beste Idee.
Aber es gab kein Zurück mehr. Ich habe meinen Plan umgesetzt und schnell gemerkt, ganz passte es nicht. Also hier und da etwas verändert, verschoben, weggeräumt. Und das alles im laufenden Betrieb. Nebenbei habe ich noch Kunden beraten, gewünschte Bücher aus meinen wild verteilten Stapeln gezogen und mich immer wieder gefragt, warum machst du das.
Ein Blick von der Chefin und den Kollegen und nach einigen kleinen Änderungen war es dann geschafft.
Das Ergebnis
Am Ende hat sich dann doch alles gefügt. Die Abteilung ist jetzt übersichtlicher, einladender und macht einfach mehr Spaß beim Stöbern. Meine Kollegin hat die Perspektive der kleinen Leser eingenommen und alles getestet. Ihr neuer Lieblingsplatz wird wohl der Sessel mitten in der Abteilung.
Wenn Kinder in die Buchhandlung kamen habe ich sie beobachtet. Wie nehmen sie die neue Abteilung an? Wo gehen sie lang? Was ist mit den Eltern? Finden sie alles?
Unsere kleinen Kunden haben den Umbau sofort für sich entdeckt. Jetzt können sie um die einzelnen Ständer herumlaufen. Sie können alles anfassen und erreichen. Der Sessel lädt zum hinsetzen und Bücher entdecken ein.
Und genau darum geht es. Denn Bücher sollen nicht nur gefunden werden. Sie sollen entdeckt werden.
Und jetzt bin ich neugierig:
Wenn ihr in eine Buchhandlung geht: Wollt ihr euch sofort orientieren können – oder liebt ihr es, euch einfach treiben zu lassen und etwas Unerwartetes zu entdecken?
Ich glaube ja, die Mischung macht’s
Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare. Und damit ihr wisst, wovon ich hier rede, gibt es unter dem Beitrag eine kleine Galerie mit Fotos. Zwischen „Was habe ich mir dabei gedacht?“ und „Okay, es hat sich gelohnt“ Hier seht ihr den Umbau unserer Kinderbuchabteilung in Bildern.







