Oder anders gefragt: Wann wurde mir klar, dass ich wieder für Menschen schreiben möchte?
Ihr erwartet jetzt hoffentlich kein Datum von mir? Aber ich glaube, das war ein längerer Prozess und mein Schlüsselmoment war wohl meine Ablehnung für eine Akkreditierung für Leipzig. Mein erster Impuls war Wut und Ärger, dann wurde ich bockig. Ich habe in diesem Jahr kaum bis gar nicht über die Leipziger Buchmesse berichtet, hatte aber die entspannteste Messe ever.
Wie gesagt, war es aber ein Schlüsselmoment für mich. Ich habe angefangen einige Dinge zu hinterfragen. Schon länger fühlte ich beim Thema Bloggen einfach nur Stress. Es machte mir keinen Spaß mehr. Ich bin den Followern und dem Algorithmus hinterhergejagt und konnte weder das eine noch das andere erreichen. Das Wort Aufhören schwirrte mir im Kopf herum.
Mein Blog ruhte. Ich habe mich auf das Lesen konzentriert und mich einfach auf Instagram getummelt. Nicht nur mit buchigen Themen. Und plötzlich war sie wieder da, die Lust am Bloggen. Aber ich wusste auch: es musste sich etwas ändern.
Es wird vielleicht einige überraschen, aber auch Blogger haben ein Leben. Und das hat meistens nichts mit Büchern zu tun. Auch wir Blogger müssen schlafen, arbeiten, essen, Wäsche waschen und so ganz nebenbei (zwinker, zwinker) lesen wir jede Menge Bücher.
Es gibt in der Buchbubbel viele, die genau das vergessen. Autoren, Verlage, andere Blogger. Vielleicht sollte man sie öfter daran erinnern. Aber ich glaube, das ist ein Thema für einen anderen Beitrag.
Back to basics
Ganz unabsichtlich und ohne festen Plan fing ich an, meine Art des Bloggens zu ändern. Ich fing an, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das Wort. Wer mir schon länger folgt, hat bestimmt bemerkt, dass es keine Bilder mehr in meinen Beiträgen gibt. Nur noch das Titelbild, mehr nicht. Denn bloggen bedeutet schreiben, nicht Bilder. Jedenfalls ist das meine Auslegung und damit fahre ich ganz wunderbar.
Ich plane wenige Beiträge vor. Ich schreibe aus dem Moment heraus oder ich schreibe eben nicht. Ganz entspannt, nicht für den Autor, nicht für den Verlag, nicht für den Algorithmus. Nur für MICH. Und das ist ein sehr befriedigendes Gefühl. Ich habe mir ein Limit gesetzt: zwei Beiträge je Woche auf dem Blog. Aber das ist kein Muss, sondern eine Obergrenze. Es kann einen Beitrag geben oder gar keinen, aber immer maximal zwei. Das funktioniert für mich und mehr brauche ich nicht.
Und was hat sich für mich geändert?
Der Stress ist weg und die Freude wieder da. Und wisst ihr was? Obwohl ich ihm nicht mehr hinterherjage, scheint mich der Algorithmus plötzlich zu lieben. Google findet mich und meine Beiträge. Mein Ranking steigt. Einige Posts auf Instagram springen in astronomische Höhen.
Und ich habe noch etwas gelernt: Nein zu sagen. Nein zu „Aktionen“, die mir mehr Reichweite oder Follower bringen sollen. Nein zu Büchern, für die ich einfach keine Zeit habe. Nein zu Druck und Stress.
Und wozu habe JA gesagt? Zu mehr Freude, weniger Stress und mehr Freiheit.
Vielleicht ist genau das die größte Veränderung: Die Zahlen sind mir nicht mehr egal, natürlich schaue ich sie mir noch an. Ich freue mich, wenn ein Beitrag gut läuft, wenn Google mich findet oder ein Reel plötzlich mehr Menschen erreicht als sonst. Aber ich schreibe nicht mehr mit dem Gedanken: „Was muss ich tun, damit der Algorithmus diesen Beitrag mag?“
Ich schreibe und veröffentliche. Und dann schaue ich, was passiert. Manchmal passiert viel. Manchmal wenig. Beides ist in Ordnung.
Vielleicht musste ich erst aufhören, für den Algorithmus zu schreiben, damit ich wieder herausfinde, warum ich überhaupt angefangen habe zu bloggen. Nicht wegen Reichweite, Rankings oder irgendwelcher Zahlen. Sondern weil ich Bücher liebe, weil ich gerne schreibe und weil ich mich mit anderen Menschen darüber austauschen möchte.
Und plötzlich funktioniert ausgerechnet das besser als all die Strategien, denen ich jahrelang hinterhergelaufen bin.
Soll ich euch etwas sagen? 2026 ist lesetechnisch gesehen mein schlechtestes Jahr und das ist völlig ok. Ich habe einen großen SUB und eine noch längere Leseliste, aber ich habe wieder Freude am Lesen. Denn das war in dem ganzen Stress meine größte Angst, die Freude am Lesen zu verlieren.
Auf der anderen Seite habe ich in diesem Jahr so viele wundervolle Bücher entdeckt. Momentan höre ich Theo in Golden von Allen Levi. Dieses Buch ist einfach ganz wundervoll. Wer es noch lesen möchte, dem empfehle ich unbedingt das Hörbuch. Dieses Buch, mit dieser Stimme, es ist wie ein freier Fall in Watte. Man fühlt sich geborgen und zufrieden.
Und vielleicht passt genau dieses Gefühl ziemlich gut zu meinem Blogjahr 2026.
Ich bin nicht mehr auf der Jagd.
Ich bin einfach wieder da.
