Anreise mit wenig Schlaf und viel Kaffee
Normalerweise ist ja der Buchhändler an sich nur in Buchläden anzutreffen, dort ist sein natürliches Umfeld. Aber am 7. und 8. Mai wurden in Bad Hersfeld knapp 200 Buchhändler in freier Wildbahn gesichtet. Sie haben sich in der Schilde-Halle zusammengefunden und nannten ihr Treffen Libri.Campus 2026.
Und die kleine Heike war dabei!
Dafür musste ich aber mitten in der Nacht aufstehen und wer mich kennt, weiß, das mag ich so gar nicht. 5:30 ging es los. Fünf Stunden im Auto mit dem Chef und einer Kollegin. Weil wir da so schön beisammen waren oder wie meine Kollegin meinte „weil du gerade nicht wegkannst“, konnten einige Dinge besprochen werden. Es war ja schließlich Arbeitszeit. Zwischendurch brauchten meine Augen auch eine kleine Pause, ich gebe es zu, ich habe ein Nickerchen gemacht. Das war aber auch gut so, der Tag sollte noch lang werden. Vielleicht hätte Kaffee geholfen, aber für das Kaffee trinken war der Chef zuständig. So viel Kaffee ginge bei mir nicht.
Willkommen beim Libri.Campus 2026
Der Koffer wurde im Hotel abgegeben und schon ging es zum Veranstaltungsort. Die Begrüßung war herzlich. Obwohl es mein erstes Mal dort war und ich auf viele unbekannte Gesichter traf, fühlte ich mich gleich gut aufgehoben. Die Organisation war super.
Zusammen mit den Programmheft, in dem die wichtigste Information der Speiseplan war, gab es ein kleines Namensschild. Ich musste ja schließlich wissen wie ich heiße und wo ich arbeite. Das kann im Stress sonst schon mal untergehen. Zusätzlich klebte auf dem Programmheft noch ein Sticker mit meinem Namen (wie schon gesagt, sehr wichtig), mit den gebuchten Workshops und (auch sehr wichtig) mit dem Namen meines Hotels. Nicht, dass ich mich abends vor lauter Müdigkeit noch in ein fremdes Bett gelegt hätte.
Durch diesen Sticker habe ich auch erfahren, dass ich mich am Nachmittag mit den Thema „Kooperationen“ beschäftigen würde und ich dann eine Führung durch das Libri-Lager bekam. Darauf war ich schon sehr neugierig. Ich wollte sehen, wie unser Auslieferer so arbeitet.
Neugier als Haltung
Wusstet ihr, dass es in Österreich ein Ministerium für Neugier & Zukunftslust gibt? Ich habe das auch erst durch den Vortag von Katharina Ehrenmüller erfahren. Im Programm stehen dazu Sätze wie „Neugier als Haltung“, Zukunft ist kein Versprechen, sondern ein offener Gestaltungsraum“ und „Ein Impuls über kritische Zuversicht und darüber, was uns hilft, nach vorne zu denken.“.
Mich haben ihre Worte sehr beeindruckt. Sie haben mich wieder daran erinnert, dass die Zukunft nicht einfach so kommt, sondern wir sie aktiv mitgestalten. Es ist also unsere Entscheidung, wie unsere Zukunft aussieht.
Austausch, Gespräche und neue Kontakte
Nachdem unsere Köpfe also ordentlich gefüttert wurden, waren schließlich wir selbst dran. Die Mittagspause. Das Essen war lecker und jeder konnte sich mit jedem unterhalten. Ich konnte einige schöne Gespräche führen und Kontakte knüpfen. Über die zwei Tage hatte ich reichlich Gelegenheit für Gespräche. Ich fand es witzig, dass fast jeder meinte, das viele Sitzen würde anstrengend sein. Wir stehen ja tagsüber alle. Mir geht es nämlich auch so. Mit langem Stehen oder Laufen habe ich keine Probleme, aber wehe, ich muss längere Zeit sitzen.
Kooperationen, KI und kreative Ideen
Dann war mein erster Programmpunkt dran. Kooperations-Champions gesucht! Ich war neugierig, habe aber nicht das erwartet, was dann kam. Zum Start wurden wir in zweier Gruppen eingeteilt, die sich gegenseitig eine vorher notierte Kooperation schmackhaft machen sollten. Dann wurde entschieden, welche die bessere war und der Sieger bekam eine Krone auf das Haupt gesetzt. Dann ging es in vierer und achter Gruppen weiter. Am Ende blieben 3 Kooperationsvorschläge übrig, die dann am nächsten Tag vor allen Teilnehmern erläutert wurden. Ich vermutete, dass es noch einmal ein Battle geben würde, um einen Sieger zu küren. Aber nein, die Organisation hatte andere Pläne. Jeder der drei bekam einen Scheck über 500 Euro, um diese Projekte zu fördern. Fantastisch, ich hätte mich auch nicht für einen der drei entscheiden können.
Zeitgleich liefen noch zwei andere Workshops. Wie KI ihre Kommunikationsplanung zum Selbstläufer macht und Gierig: (Ver)Bindungen schaffen. In den Workshops ging es um die Hilfe, die KI bei der täglichen Routine sein kann und wie Bindungen zu Kunden geschaffen werden können.
Blick hinter die Kulissen: Führung durch das Libri-Lager
Nach einer kurzen Kaffeepause, die wieder viel Zeit für Gespräche brachte, hieß es für mich ab in den Bus. Der stand schon bereit um mich und die anderen Teilnehmer zu Libri zu fahren. Die Führung war laut und anstrengend, aber auch sehr informativ. Ich kenne jetzt den genauen Weg, den ein Buch nimmt, ehe es in meinen Händen landet. Sehr technisiert und sehr speziell, oder hättet ihr erwartet, dass es im Lager Mitarbeiter für die Höhenrettung gibt?
Zwischen Müdigkeit und Abendprogramm
Wer denkt, jetzt konnte ich mich ins Bett fallen lassen, irrt. Ich habe zwar mein Zimmer erkundet, aber dann ging es zum Abendessen und zu Drinks, Tanz, Gesprächen und Entdeckungen. Ich glaube, ich habe schon geschlafen, ehe mein Kopf das Kissen berührt hat.
Social Media, Schaufenster und Verkaufspsychologie
Der nächste Morgen startete früh. Mal wieder. Aber dafür mit einem Frühstück und dann ging es zurück zum Veranstaltungsort.
Mit dem ersten Workshop wurde mein Kopf wieder gefordert und meine Hand. Ich kam beim Mitschreiben kaum hinterher. Das Thema interessierte mich aber auch sehr. 6+ Faktoren für Erfolg auf Social Media.
Mein Stift rauschte nur so über das Papier. Meine Ohren hörten konzentriert zu und mein Kopf versuchte alles zu verarbeiten und einzuordnen. Ein Teil meines Gehirns war damit beschäftigt, einzuordnen, was ich als Buchhändler und auch als Blogger davon nutzen kann. Mein Lieblingsthema an den zwei Tagen.
Nach einer kurzen Kaffeepause ging es schon weiter. Buchwelten inszenieren stand auf dem Plan. Dieses Thema war sehr informativ. Wie gestalte ich Schaufenster, wie präsentiere ich die Bücher für den Kunden, Dinge wie Laufrichtung, goldener Schnitt, Emotionen, Relevanz etc. schwirrten herum und wurden von mir fein säuberlich notiert. Die Speakerin Chantal Sebrantke wird uns bestimmt bald in der Buchhandlung unterstützen. Sie bietet ihre Hilfe an und der Chef hat sofort nach den Formalitäten gefragt. Ich freue mich schon auf ihre Unterstützung.
Ein letztes Aufbäumen nach der Mittagspause. Neugier als Verkaufsmotor und der Bericht der Gewinner des Libri Campus Preises 2025 (Unterstützung für die Buchhandlung im Bereich Social Media) standen noch an.
Was ich vom Libri.Campus mitnehme
Aber dann war es auch gut. Mein Kopf war so voll, da ging so gar nichts mehr und es stand uns ja auch noch die Rückfahrt bevor. Es klappte alles gut, kein Stau und wieder ein kleines Nickerchen (der Vorteil eines Beifahrers). Ich war froh wieder zu Hause zu sein und sogar zu müde um ein Buch in die Hand zu nehmen.
Selten war ich so müde und gleichzeitig so motiviert. Mein Kopf ist voller Ideen und ich glaube, genau darum ging es beim Libri.Campus 2026: neugierig bleiben.
