Lieber Denis Scheck,
in den letzten Tagen waren Sie in aller Munde. Meistens sehr negativ. Ich persönlich mag Sie auch nicht, oder eher, mag ich Ihre Art mit Büchern umzugehen nicht. Das hat nichts mit ihrer Person zu tun. Leider wird aber die Diskussion über ihre Sendung sehr persönlich. Auch das gefällt mir nicht. Mir wurde unter einem Beitrag unterstellt, ich würde Rassismus feiern. Es geht wohl um eine Szene mit einem Inder mit Hund im neuen Buch von Frau Kürthy. Ich habe das Buch noch gar nicht gelesen, sondern hatte es gerade gekauft. Ich verstehe also nicht, warum ich darum Rassismus feiere.
Ausschlaggebend war ihre Sendung in der ARD, in der Sie sehr respektlos mit den Büchern einiger Autoren umgingen. Wieder einmal, denn das machen Sie immer. Und das ist mein Problem.
Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen (Heinrich Heine)
Kennen Sie dieses Zitat? Wir sollten es kennen. Jeder. Und wir sollten es uns merken, gerade in der heutigen Zeit.
Mich haben Sie verloren, als Ihnen erlaubt wurde, ein Buch zu verbrennen. Ich weiß nicht mehr welches und auch nicht mehr, wann es war. Es ist schon ziemlich lange her. Und seitdem hat sich ihre Art nicht verbessert. Eher im Gegenteil.
Vielleicht ist ein verbranntes Buch „nur“ ein Symbol. Aber Symbole haben Bedeutung. Und sie zeigen, wie wir mit Kultur umgehen. Und genau das macht mir Sorgen.
Ich persönlich finde, das, was Sie da machen, ist keine Art mit der Arbeit anderer Leute umzugehen. Diese Respektlosigkeit darf keine Öffentlichkeit bekommen. Ich verstehe auch nicht, warum der Aufschrei erst jetzt kommt. Die meisten Kommentare und Beiträge beziehen sich darauf, dass Sie frauenfeindlich sind. Nein, sind Sie nicht. Sie sind autorenfeindlich.
Wir wissen doch alle, wie viel Arbeit in einem Buch steckt. Autor, Verlag, Druckerei, Korrektorat, Lektorat, Coverdesigner – ich habe hier bestimmt noch einige vergessen. Aber all diese Arbeit treten Sie mit Füßen. An dieser Stelle fordere ich Sie auf: Haben Sie mehr Respekt vor der Arbeit anderer Leute.
Kritik darf hart sein. Aber sie darf niemals respektlos sein. Und genau da liegt für mich die Grenze.
Nicht jedes Buch kann jedem gefallen. So ist das eben. Ich mag auch nicht jedes Buch. Aber das liegt an mir, nicht am Autor. Ich kann ihn dafür nicht verantwortlich machen. Wenn mir persönlich ein Buch nicht gefällt, sage ich das. In höflichen Worten. Ich erkläre, ob es an der Schreibweise, dem Thema oder den Charakteren lag. Ich sage nicht es ist „Scheiße“, „Geschnatter von der Damentoilette“ oder sonst irgendwelche respektlosen Worte.
Das ist es, was mich an Ihnen aufregt, Herrn Scheck!
Sie nennen sich Literaturkritiker, kritisieren aber nicht. Sie verachten, missachten und verunglimpfen. Das hat weder etwas mit Literatur, noch mit Kritik zu tun. Und jetzt mal ganz ehrlich, Herr Scheck: Lesen Sie wirklich jedes der Bücher? Von Anfang bis Ende? Oder bekommen Sie nur Zusammenfassungen oder überfliegen die Bücher und bilden sich dann Ihre Meinung?
Vielleicht wäre weniger Inszenierung und mehr Lesen der bessere Weg.
Wann haben Sie zum letzten Mal eine Rezension über ein Buch verfasst? Wann haben Sie zuletzt ehrliche persönliche Worte für einen Autor gefunden? Wann sind Sie dazu übergegangen, die Bücher und ihre Autoren so respektlos zu behandeln?
Ich stehe jeden Tag zwischen Büchern. Ich empfehle sie, ich verteidige sie, ich sehe, wie Menschen sich in ihnen wiederfinden. Und genau deshalb kann ich nicht verstehen, wie man sie öffentlich so behandelt. Bücher sind keine Wegwerfware. Sie sind Arbeit, Herzblut und oft auch ein Stück Leben. Und genau so sollten wir sie auch behandeln.
Bücherheike
(Buchbloggerin mit Respekt vor Geschichten)

1 Kommentar
Das hast du toll geschrieben.